Fachtagung
«Qualifikationspotenziale erschließen – Berufliche Bildung von An- und Ungelernten»
am 30. Mai 2006 im Haus Eckstein in Nürnberg

veranstaltet von der bfz Bildungsforschung Nürnberg gemeinsam mit dem Forschungsinstitut Betriebliche Bildung (f-bb) gGmbH Nürnberg

Durch die Einführung neuer Technologien und prozessorientierter Arbeitsorganisation sind in den Unternehmen die Anforderungen an allen Arbeitsplätzen gestiegen. Neben Fachkräften müssen auch an- und ungelernte Mitarbeiter über ein breites Kompetenzspektrum verfügen, wechselnde Aufgaben beherrschen und flexibel einsetzbar sein. Damit Geringqualifizierte diese Entwicklungen mit vollziehen können und nicht zu Modernisierungsverlierern werden, braucht es geeignete Qualifizierungsangebote. Welche Faktoren bei der Konzeption von Qualifizierungen zu berücksichtigen sind und welchen Beitrag die systematische Vernetzung von Weiterbildungsakteuren für eine erfolgreiche Qualifizierung An- und Ungelernter leisten kann war Thema der bundesweiten Fachtagung in Nürnberg.

Tagungseindrücke

In seinem Eingangsstatement wies Dr. Eckart Severing darauf hin, dass in der öffentlichen Diskussion um den Bildungsstandort Deutschland in den letzten Jahren vor allem von der Elite-Bildung an den Hochschulen, von Exzellenzinitiativen, von der Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit der Universitäten im internationalen Vergleich die Rede ist. «Dabei sind es gerade die Absolventen dieser Institute, die sich schon ganz gut zu helfen wissen», so Severing, «schließlich verfügen sie über das nötige Wissen, Geschick und die entsprechenden Qualifikationen.» Es sei gar kein Geheimnis, dass Unternehmen über fehlende geeignete Jugendliche für die Ausbildung klagen und gleichzeitig die Anzahl derer wächst, die ohne einen Abschluss zusehends keine Chance auf dem Arbeitsmarkt haben. Auch müsste der demographische Wandel die Gesellschaft dringend dazu anhalten, über neue Aus- und Weiterbildungskonzepte nachzudenken. «Das eigentliche Problem in Deutschland», so Severing, «ist die Weiterqualifizierung von bereits aussortierten Jugendlichen, von Menschen mit brach liegenden Potenzialen, die vielleicht über Erfahrungswissen verfügen, aber über keine hinreichenden Qualifizierungen oder Abschlüsse. Damit die breite Weiterqualifizierung von Un- und Angelernten gelingt, ist es wichtig, Unternehmer bei der Planung von Programmen 'mit ins Boot zu bekommen'. Bildungsträger haben dabei die Aufgabe, nach speziellen Bedarfen passgenaue, attraktive Konzepte zu entwickeln.»

Erfolg versprechend seien Konzepte, die sich an der betrieblichen Praxis ausrichten und dabei auf die individuellen Kenntnisse und Fähigkeiten An- und Ungelernter zugeschnitten sind. Ein weiterer wichtiger Erfolgsfaktor, um Qualifizierung An- und Ungelernter auf den Weg zu bringen, sei die systematische Vernetzung von Weiterbildungsakteuren. «Netzwerke bündeln Know-how und Erfahrung, sensibilisieren für diese Thematik und bringen Akteure beruflicher Weiterbildung – Unternehmen und Bildungsträger – zusammen.»

Im Rahmen der Tagung in Nürnberg wurden Erfahrungen und Ergebnisse des bundesweiten Netzwerks Qualifizierungswege für An- und Ungelernte vorgestellt. Über 150 Vertreter von Unternehmen, Bildungsdienstleistern, Kammern, Arbeitsagenturen, ARGEn und weitere Experten aus dem Bereich Aus- und Weiterbildung diskutierten über Chancen, Erfolgsfaktoren und bedarfsgerechte Qualifizierungsstrategien für An- und Ungelernte und die damit verbundenen Anforderungen für alle Beteiligten.

Programm

Begrüßung und Eröffnung der Tagung

Dr. Eckart Severing, Forschungsinstitut Betriebliche Bildung (f-bb) gGmbH

Dr. Ursula Bylinkski

Das Netzwerk Qualifizierungswege für An- und Ungelernte im BQF-Programm

Dr. Ursula Bylinski, Projektträger des BMBF im Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (PT-DLR)
Vortrag (PDF, 33.9 KB)


Dr. Hans Dietrich

Geringqualifizierte – ungenutzte Potentiale

Dr. Hans Dietrich, Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung
Vortrag (PDF, 130.0 KB)


Christa Oberth

Durch Netzwerke berufliche Qualifizierung von An- und Ungelernten initiieren und unterstützen

Christa Oberth, bfz Bildungsforschung
Vortrag (PDF, 653.2 KB)


Gesprächsrunde «Mitarbeiterpotenziale erschließen – Chancen, Anforderungen und Strategien»

Moderation: Dr. Thomas Stahl, Institut für sozialwissenschaftliche Beratung GmbH
Kathrin Oeder, bfz Bildungsforschung
Christoph Eckhardt, QualiNetz – Beratung und Forschung GmbH
Kathrin Gutschow, Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB)
Erich Hadamofsky, Marquard GmbH, Rietheim-Weilheim
Sabine Sprethuber, ARGE Fürth

Parallele Workshops:
Workshop 1: Erfolgreiche Qualifizierungswege für An- und Ungelernte

Moderation: Kathrin Oeder, bfz Bildungsforschung

Impuls:
Herbert Rüb, INBAS GmbH, Hamburg
Michael Feldmeier, Ingram Micro Distributions GmbH, Straubing
Peter Dostal, IHK Bodensee-Oberschwaben
Siegfried Klaese, ZF Friedrichshafen AG

Workshop 2: Die Rolle der Führungskraft im Qualifizierungsprozess von An- und Ungelernten

Moderation: Alexander Krauß, Institut für sozialwissenschaftliche Beratung GmbH

Impuls:
Wolfgang Sewald, Stadtwerke Rosenheim, Müllheizkraftwerk
Dr. Barbara Mohr, Forschungsinstitut Betriebliche Bildung (f-bb) gGmbH
Irmgard Kneißl, Lucent Technologies
Christa Oberth, bfz Bildungsforschung

Workshop 3: (Wieder)Einstieg ins Berufsleben: Qualifizierung von ALG-II Empfängern

Moderation: Dr. Thomas Freiling, Forschungsinstitut Betriebliche Bildung (f-bb) gGmbH

Impuls:
Ulf Uebel, Customer Quality Netzwork (CQN) e.V.
Conrad Skerutsch, Werkstatt Frankfurt e.V.
Cäcilia Dahmen-Gregorc, Noris Arbeit gGmbH
Stefanie Wiesenberg, Bildungswerk der Hessischen Wirtschaft e.V., Gießen

Ausblick

Dr. Thomas Stahl, Institut für sozialwissenschaftliche Beratung GmbH
Ausschnitte aus Zusammenfassung und Ausblick (PDF, 68.0 KB)

Ende der Veranstaltung

Gesprächsrunde | Workshop 1 | Workshop 2 | Workshop 3